Gemeindefinanzen 2020

Der Kanton Bern erhebt jedes Jahr statistische Daten zur Finanzlage der Gemeinden, welche das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) analysiert und kommentiert. Damit wird das Datenmaterial der Gemeinden transparent und vergleichbar. Die Mehrheit der Gemeinden schliessen ihre Jahresrechnungen im Gesamthaushalt mit einem Ertragsüberschuss ab. Das Ergebnis beträgt durchschnittlich 153 Franken je Einwohner und Einwohnerin (Vorjahr 113) und ist somit das bisher beste Ergebnis seit der Einführung von HRM2 im 2016. Fast alle Finanzkennzahlen entwickeln sich positiv, insbesondere diejenigen in Bezug auf das Eigenkapital oder die Selbstfinanzierung. Jedoch spiegeln andere Kennzahlen die tendenziell höhere Verschuldung der Gemeinden wieder. Folgen der Pandemie, in Form von Ertragseinbussen, treten in der Summe der Gemeinderechnungen nicht zum Vorschein. Aber aufwandseitig nehmen die Nettoaufwendungen im Gesundheitsbereich bereinigt um 12.7 Prozent oder 2.3 Millionen Franken zu. Der Bilanzüberschuss steigt dank der überwiegend guten Abschlüsse im Allgemeinen Haushalt um 61 Millionen Franken oder 4.8 Prozent. Doch nicht alle Gemeinden entwickeln sich positiv: Nachdem eine Gemeinde im Kanton im 2019 einen Bilanzfehlbetrag bilanzieren musste, ist dieser im 2020 markant gestiegen.

Rechnungsergebnis nach Verwaltungskreis

Insgesamt schliessen die Berner Gemeinden ihre Jahresrechnungen 2020 besser ab als im Vorjahr. 252 Gemeinden weisen im 2020 ein positives Rechnungsergebnis im Gesamthaushalt aus. Das sind deutlich mehr Gemeinden als im Vorjahr, mit 238 Gemeinden, aber nicht ganz so viele wie im 2018 mit 265 Gemeinden. Nur 90 Gemeinden schreiben rote Zahlen. Die Summe aller Abschlüsse der Erfolgsrechnungen ergibt einen Ertragsüberschuss von 159 Millionen Franken. Das entspricht im Durchschnitt 153 Franken je Einwohnerin bzw. Einwohner und ist das beste Ergebnis seit Einführung von HRM2 im 2016. Der gestufte Erfolgsausweis zeigt im Detail, dass dieses Ergebnis nicht aus betrieblicher Tätigkeit stammt, sondern aus der Finanzierung. Dies obwohl der Fiskalertrag, als wichtigste und konstanteste Einnahmequelle der Gemeinden, gegenüber dem Vorjahr deutlich steigt und zwar insgesamt um 91 Millionen Franken oder 3.1 %.

Ertragsüberschuss (CHF/EW)

Die Bilanzen der Berner Gemeinden geben per Ende 2020 insgesamt ein erfreuliches Bild ab. Sie weisen einen hohen Eigenkapitalanteil aus von über 45 Prozent, der zudem erneut gestiegen ist. Das Eigenkapital legt um 273 Millionen Franken zu. Dank den positiven Rechnungsergebnissen im Allgemeinen Haushalt wächst der Bilanzüberschuss kantonsweit um 61 Millionen Franken und beträgt per Ende 2020 durchschnittlich 1288 Franken je Einwohner/-in. Nur die Gemeinde Moutier weist weiterhin einen Bilanzfehlbetrag aus, der von rund 0.4 auf 1.9 Millionen Franken zugenommen hat.

Bilanzüberschuss (CHF/EW)

Die Nettoinvestitionen fallen im 2020 erneut höher aus als im Vorjahr. Sie steigen um 61 Millionen Franken oder 10.1 % auf insgesamt 661 Millionen Franken. Durchschnittlich betragen sie 637 Franken je Einwohner oder Einwohnerin und erreichen damit ebenfalls den höchsten Wert seit Einführung von HRM2 im 2016. Die Nettoinvestitionen werden im Verwaltungsvermögen aktiviert, wodurch dieses insgesamt um 7.2 Prozent zulegt. Trotzdem bleibt der Investitionsanteil mit einem Medianwert von 9.9 % eher schwach.

Nettoinvestitionen (CHF/EW)

Die Selbstfinanzierung in Franken nimmt nach dem Tauchgang im Vorjahr um 83 Millionen Franken zu und erreicht 582 Millionen Franken. Je Einwohnerin und Einwohner gerechnet ergibt dies 561 Franken. Das sind 16 % mehr als die 483 Franken je Einwohner/-in im 2019. Trotz dieser Steigerung liegt die Selbstfinanzierung weiterhin tiefer als die ebenfalls höheren Nettoinvestitionen, sodass ein Finanzierungsfehlbetrag von 76 Franken je Einwohner/-in resultiert (Vorjahr 98 Franken je Einwohner/-in).

+16 %
560.7 CHF/EW

Selbstfinanzierung

Die Durchschnittswerte (Median) der harmonisierten Finanzkennzahlen weisen weiterhin gute Werte aus und sind im 2020 tendenziell besser als im Vorjahr. Insbesondere die Kennzahlen in Bezug auf das Eigenkapital oder die Selbstfinanzierung entwickeln sich positiv, andere Indikatoren jedoch, wie der Bruttoverschuldungsanteil, der Nettoverschuldungsquotient oder der Kapitaldienstanteil, verschlechtern sich. Bei den Investitionen ist eine leicht höhere Aktivität zu beobachten: Die Berner Gemeinden investieren zwar nach wie vor zurückhaltend aber in der Tendenz etwas mehr als im Vorjahr.

106.5 %

Selbstfinanzierungsgrad

Im Jahr 2020 beziehen in etwa gleichviele Gemeinden Leistungen aus dem Finanzausgleich wie im Vorjahr, trotzdem liegt der mittlere Nettozufluss unter dem Vorjahreswert. Mit einem Anteil von 14.1 Prozent der ordentlichen Steuereinnahmen erreicht er erneut den tiefsten Stand seit der Revision des Gesetzes über den Finanz- und Lastenausgleich im Jahr 2012.

14.1 %

Nettozufluss Finanzausgleich

Im 2020 beträgt die mittlere Wohnbevölkerung 1 037 498 Personen und wächst gegenüber dem Vorjahr geringfügig. Die Anzahl Gemeinden im Kanton reduziert sich durch 3 Fusionen von 346 auf 342 Gemeinden.

Ein Vergleich der Kennzahlen innerhalb der Verwaltungskreise lässt diverse regionale Unterschiede erkennen. Mehr dazu lesen Sie hier.


Im interkantonalen Vergleich ist grundsätzlich erkennbar, dass die Gemeinden im Kanton Bern mittelmässig rangieren.


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