Gemeindefinanzen 2019

Der Kanton Bern erhebt jedes Jahr statistische Daten zur Finanzlage der Gemeinden, welche das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) analysiert und kommentiert. Damit wird das Datenmaterial der Gemeinden transparent und vergleichbar. Die Jahresrechnungen 2019 der Berner Gemeinden verzeichnen mehrheitlich ein gutes Gesamtresultat – trotz teils schlechterer Finanzkennzahlen. 238 der 346 Gemeinden schliessen ihre Rechnungen im Gesamthaushalt mit einem Ertragsüberschuss ab, im Vorjahr waren es noch 265 Gemeinden. Im Durchschnitt beträgt das Ergebnis 113 Franken je Einwohner und Einwohnerin (Vorjahr 126). Auch im Allgemeinen Haushalt ist das durchschnittliche Ergebnis positiv und beträgt 34 Franken je Einwohner/-in (Vorjahr 85). Durch den Übertrag dieses Ergebnisses ins Eigenkapital wird der Bilanzüberschuss gestärkt. Nur eine Gemeinde weist einen Bilanzfehlbetrag aus.

Rechnungsergebnis nach Verwaltungskreis

Die Mehrheit der Gemeinden (knapp 70 Prozent) weist im 2019 ein positives Rechnungsergebnis im Gesamthaushalt aus. Dennoch schreiben 108 Gemeinden rote Zahlen. Alle Erfolgsrechnungen zusammengenommen beträgt der Ertragsüberschuss 116 Millionen Franken. Das entspricht 113 Franken je Einwohnerin bzw. Einwohner. Gegenüber dem Vorjahresergebnis von 126 Franken je Einwohner/-in ist das ein geringer Rückgang. Der gestufte Erfolgsausweis zeigt zudem, dass dieses Ergebnis nicht aus betrieblicher Tätigkeit stammt, sondern aus der Finanzierung. Der Fiskalertrag, als wichtigste und konstanteste Einnahmequelle der Gemeinden, steigt gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 16 Millionen Franken oder 0.6 %.

Ertragsüberschuss (CHF/EW)

Die Bilanzen der Berner Gemeinden geben ein erfreuliches Bild ab. Sie weisen einen hohen Eigenkapitalanteil aus. Zudem legt das Eigenkapital im 2019 insgesamt um weitere 229 Millionen Franken zu. Dank den positiven Rechnungsergebnissen im Allgemeinen Haushalt wächst der Bilanzüberschuss kantonsweit um 36 Millionen Franken und beträgt per Ende 2019 solide 1236 Franken je Einwohner/-in. Nur eine Gemeinde weist einen Bilanzfehlbetrag aus.

Bilanzüberschuss (CHF/EW)

Die Nettoinvestitionen fallen etwas höher aus als im Vorjahr. Sie betragen durchschnittlich 582 Franken je Einwohner oder Einwohnerin. Die Nettoinvestitionen werden im Verwaltungsvermögen aktiviert, wodurch dieses insgesamt um 7.3 Prozent zulegt. Dies führt wiederum zu höherem Abschreibungsaufwand. Auch wenn die Berner Gemeinden im 2019 netto etwas mehr investieren, ist der Investitionsanteil rückläufig und beträgt lediglich 9.9 Prozent. Die Gemeinden im Kanton Bern weisen insgesamt eine schwache Investitionstätigkeit aus.

Nettoinvestitionen (CHF/EW)

Die Selbstfinanzierung in Franken nimmt insgesamt markant ab und beträgt 483 Franken je Einwohner/-in im Vergleich zum Vorjahreswert von 564 Franken je Einwohner und Einwohnerin. Damit liegt die Selbstfinanzierung deutlich tiefer als die Nettoinvestitionen: Es resultiert ein Finanzierungsfehlbetrag von 99 Franken je Einwohner/-in. Ein Finanzierungsfehlbetrag führt zur Neuverschuldung der Gemeinde. Im Vorjahr war der Finanzierungssaldo positiv und betrug 4 Franken je Einwohner/-in. 

-14.3 %
483 CHF/EW

Selbstfinanzierung

Die Durchschnittswerte (Median) der harmonisierten Finanzkennzahlen weisen weiterhin gute Werte aus, sind im 2019 aber tendenziell schlechter als im Vorjahr. Auch wenn sich die Kennzahlen in Bezug auf das Eigenkapital positiv entwickeln, signalisieren andere Finanzkennzahlen der Gemeinden einen enger werdenden finanziellen Spielraum: Eine der wichtigsten Kennzahlen, der Selbstfinanzierungsgrad, sinkt und liegt mit 100 Prozent just auf der Schwelle zu einem guten Wert. Er zeigt, wie viele Mittel der Gemeinde zur Verfügung stehen, um Investitionen zu tätigen oder Schulden abzubauen. Auch der Selbstfinanzierungsanteil schwächelt und liegt im mittleren Bereich bei 10.6 Prozent. Die Nettoverschuldung erhöht sich ebenfalls geringfügig, auch wenn im Total die Gemeinden Nettovermögen je Einwohner/-in ausweisen. Ähnlich sieht es beim Kapitaldienst aus: Er verschlechtert sich leicht gegenüber dem Vorjahr und beträgt 4.0 Prozent, was noch einer geringen Belastung entspricht.

100 %

Selbstfinanzierungsgrad

Im Jahr 2019 beziehen weniger Gemeinden Leistungen aus dem Finanzausgleich. Waren es im Vorjahr 90 Prozent der Gemeinden, sind es im betrachteten Rechnungsjahr 87 Prozent. Der mittlere Nettozufluss erreicht mit 14.5 Prozent den tiefsten Stand seit der Revision des Gesetzes über den Finanz- und Lastenausgleich im Jahr 2012.

14.5 %

Nettozufluss Finanzausgleich

Im 2019 beträgt die mittlere Wohnbevölkerung 1 031 598 Personen und wächst gegenüber dem Vorjahr geringfügig. Die Anzahl Gemeinden im Kanton reduziert sich durch 1 Fusion auf 346 Gemeinden.

Ein Vergleich der Kennzahlen innerhalb der Verwaltungskreise lässt diverse regionale Unterschiede erkennen. Mehr dazu lesen Sie hier.


Im interkantonalen Vergleich ist grundsätzlich erkennbar, dass die Gemeinden im Kanton Bern mittelmässig rangieren.


Erstmals können Sie spannende Gemeindevergleiche ganz leicht zusammenstellen. Probieren Sie es hier aus!